Bauen in Lappland - kleines, altes Haus in Schweden

Bauen in Schweden – Von Antrag bis Freigabe

Heute serviere ich euch einen Text, der vielleicht ein wenig „trocken“ ist (darum habe ich auch ein paar Fotos von unserem Bau dazwischen gesetzt, vom Fundament bis jetzt, damit es etwas aufgelockert wird). Aber ich denke, dass die Infos für diejenigen, die sich mit Bauen in Schweden beschäftigen, interessant sein dürfte. Ich hab mir selbst nämlich einen Wolf im Internet gesucht, um alle Details zu sammeln.

Am besten geeignet empfand ich die Broschüre von Boverket (myndigheten för samhällsplanering, byggande och boende) von 2017 „Får jag bygga“ – dieser Link ist abgelegt im Bereich „Bygga“ auf der Webseite der Gemeinde Jokkmokk. Diesen Text habe ich dann aber mal in Auszügen übersetzt und um meine eigenen Anmerkungen und Gedanken ergänzt. 

Dennoch ist der Inhalt natürlich ohne Gewähr – die Sache ist schon ziemlich komplex und ich bin keine Fachfrau!

Ich erzähle von den Schritten, die bei uns nötig waren bzw. noch sind, kann sein, dass es Abweichungen zwischen den einzelnen Gemeinden/Regionen gibt, das weiß ich nicht. 

Falls du ebenfalls Erfahrungen mit dem Bauen in Schweden gemacht hast, egal ob ähnliche Abläufe oder ganz andere, würde ich mich über einen Kommentar von dir sehr freuen. Das kann nicht zuletzt auch anderen Lesern, die sich dafür interessieren sehr weiterhelfen!

Hier geht es um die Abläufe mit Baugenehmigung! Es gibt nämlich auch das ein oder andere, für das eine Genehmigung beim Bauen in Schweden nicht nötig ist, z.B. ein kleinerer Schuppen zum Haus, dass du schon besitzt. Mehr dazu findest du in der verlinkten Broschüre übrigens auch, aber eben auf Schwedisch. Da es für uns nicht relevant war, hab ich es außen vor gelassen.

Gutgemeinter Tipp: Erkundige dich bei allen Bau- oder größeren Renovierungs- und Abrissvorhaben lieber einmal zu oft als einmal zu selten bei deinem zuständigen, schwedischen Bauamt. Das kann sonst echt eine Menge Ärger geben – und das wollen wir ja nicht. 

Bauen in Schweden - der Bagger auf dem Grundstück

Antrag für eine Baugenehmigung

Ein Antrag für eine Baugenehmigung muss schriftlich an die Gemeinde gestellt werden, in der das Haus gebaut werden soll. Viele Gemeinden bieten dazu z.B. auf ihren Webseiten spezifische Antragsformulare an, die man sich herunterladen und ausdrucken kann. Teilweise lassen diese Formulare sich auch bereits online vorausfüllen. Ansonsten kann man sich da aber auch garantiert vor Ort persönlich abholen.

Was (noch) zum Antrag gehört

  • Füge die Zeichnungen, Beschreibungen und weitere Informationen bei, die für die Überprüfung des Antrags benötigt werden. Welche das sind, erfährst du entweder auf Nachfrage, auf der Webseite der Gemeinde – in unserem Fall stand auch eine Übersicht mit auf dem Formular, bei der du ankreuzen konntest, welche Anlagen dem Antrag beigefügt sind. Wir brauchten…
    • einen Grundriss des Hauses inkl. „Möblierung“, damit erkennbar war, welcher Teil des Hauses wofür genutzt wird, z.B. Küche, Schlafzimmer.
    • einen Grundriss des Plumpsklos – mit Angabe, wie wir mit dem „Abfall“ umgehen werden
    • Zeichnungen von allen Seitenansichten des Hauses
    • Einen Grundstücksplan mit Grenzen zu den Nachbargrundstücken sowie den direkten Abständen von Hauskante zur Grunstücksgrenze, auf dem das geplante Haus mit der korrekten Ausrichtung, inkl. evtl. Nebengebäuden (wie z.B. Plumpsklo) eingezeichnet war – eine Karte des Grundstücks kannst du dir dafür auf der Webseite von Lantmäteriet (das entspricht wohl der schwedischen Version unseres Katasteramts, denke ich) ausdrucken. Da haben wir es jedenfalls eingezeichnet.
  • Im Antragsformular werden natürlich die persönlichen Daten des Antragstellers festgehalten (Name, Adresse, Personennummer, Kontaktmöglichkeiten), aber auch diverse Fakten zum  Bauvorhaben abgefragt (wo soll das Haus hin, geplanter Baustart, wie lange wird der Bau circa dauern, welches Bauunternehmen bzw. wer baut tatsächlich, Wohn- und Baugrundfläche, welches Material, was für Fenster, welches Fundament, was für ein Dach, wird es Strom und Kanal geben, wie wird es beheizt etc. pp.). In unserem Fall wurde im Nachgang übrigens noch nach der Farbe des Hauses gefragt.
  • Auch ein möglicher „Kontrollansvarig“ ist mit Kontaktdaten zu benennen, ob du den schlussendlich brauchst, wir in der Genehmigung festgelegt. Zu dieser Funktion steht aber weiter unten im Text etwas mehr Info.
  • In der Broschüre zum Thema der Gemeinde, in der wir bauen, stand noch, dass man nachweisen solle, dass das Gebäude auch für Menschen betretbar und verwendbar ist, die in der Bewegung oder in der Orientierung eingeschränkt sind und dass es für den geplanten Gebrauch (bei uns: Ferienhaus) geeignet ist.

Wie lange dauert es bis man Bescheid bekommt?

Sobald du den Antrag inklusive aller nötigen Unterlagen eingereicht hast und wirklich alles vollständig vorliegt (sonst fragen die natürlich noch danach), bekommst du eine Mitteilung darüber, dass der Antrag jetzt bearbeitet wird. Das Bauamt soll innerhalb von 10 Wochendazu einen Beschluss fassen. Allerdings kann diese Zeit noch einmal um bis zu 10 Wochen verlängert werden, wenn die erste Frist nicht für die Überprüfung aller relevanten Faktoren ausreicht. In dem Fall wirst du jedoch noch vor Ablauf der ersten 10-Wochen-Frist informiert.

Wie hoch die Gebühr für die schwedische Baugenehmigung ist, hängt vom Bauprojekt ab. Ob sie auch von der Gemeinde an sich abhängig ist, weiß ich nicht. Jedenfalls wird die Gebühr auch im Zusammenhang mit dem Beschluss über die Baugenehmigung festgelegt. Wir haben rund 1.200 Euro dafür bezahlt. 

Am Rande: Im Zuge der Bearbeitung eines Bauantrags werden auch die künftigen Nachbarn über dein Bauvorhaben informiert und können sich dazu innerhalb einer gewissen Frist äußern, wenn sie Bedenken oder Anmerkungen haben. Wir fanden es ein wenig merkwürdig, dass sie nicht AKTIV ZUSTIMMEN müssen – schließlich kann eine solche Mitteilung über den Postweg jetzt auch mal verloren gehen oder versehentlich deutlich länger brauchen als die Frist! Biste mal 3 Wochen im Urlaub und schon haste den Salat bzw. neue Nachbarn und dafür keine Aussicht mehr. 😉

So, jetzt sind wir also einen Schritt weiter – wir haben eine Baugenehmigung! Was kommt jetzt?

Bauen in Schweden - das Grundgerüst steht

Der Kontrollansvarig (zertifizierter Bausachverständiger)

Wenn du in Schweden ein genehmigungspflichtiges Haus baust, brauchst du oft einen s.g. Kontrollansvarig. Ob du einen brauchst oder nicht, wird beim Beschluss der Baugenehmigung durch die Zuständigen der Gemeinde festgelegt und die Info findest du dann in Protokoll zur Baugenehmigung, dass du als Antragssteller natürlich bekommst. Wir brauchten jedenfalls einen.

Hinweis: Die Kosten für den Kontrollansvarig sind nicht in der Gebühr für die Baugenehmigung enthalten. Das sind zusätzliche Kosten. Wie hoch die Kosten ausfallen, können wir jetzt noch nicht sagen.

Ein Kontrollansvarig…

  • Hilft dir beim Entwurf eines Kontrollplans, der im „teknisk samråd“ (dazu weiter unten mehr) vorgelegt, besprochen und beschlossen wird.
  • Überprüft, dass dieser Kontrollplan sowie die relevanten Gesetze und Vorgaben während des Baus eingehalten werden
  • Ist beim s.g. teknisk samråd, Besichtigungen und Baustellenbesuchen dabei und dokumentiert diese Treffen
  • Gibt dir und dem zuständigen Bauamt gegenüber eine Stellungnahme über „den Stand der Dinge“ als Grundlage für den slutbesked (siehe weiter unten) ab
  • Ist unabhängig in Bezug auf all die Gewerke/Firmen, deren Arbeit am Bau von ihm, wie im Kontrollplan festgelegt, kontrolliert werden müssen
  • Ist den Anforderungen entsprechend zertifiziert
Bauen in Schweden - erste Seitenwände

Tekniskt samråd (technischer Rat)

Sobald das Bauamt positiv über deinen Bauantrag entschieden hat, soll so schnell wie möglich ein s.g. tekniskt samråd (technischer Rat) einberufen werden. Bei dieser Sitzung zwischen dem/der/den Verantwortlichen des Bauamts, dem Bauherren und (falls nötig) dem Kontrollansvarig, wird unter anderem der geplante Bauablauf und der Kontrollplan durchgesprochen. Darüber wird ein Protokoll geführt.

Kontrollplan

In einem Kontrollplan stehen die technischen Punkte, die während des Baus geprüft werden, um die Anforderungen der Gemeinde an z.B. die Sicherheit des Gebäudes für die Nutzung durch Menschen möglichst zu gewährleisten. Das reicht in unserem Plan vom Fundament, der Bodenbeschaffenheit, der Statik inkl. Dachstuhl, Dämmung, Schutz vor Feuchte, Belüftung, Fluchtmöglichkeiten im Falle eines Brandes bis hin zu Brandmeldern, korrekter Einbau von Türen und Fenstern etc. pp. 

Als Bauherr hast du dafür zu sorgen, dass es einen Kontrollplan für dein Bauvorhaben gibt, aus dem genau hervorgeht, welche Punkte kontrolliert werden und wer die Kontrollen durchführt. Das kann je nach Arbeitsschritt entweder in dokumentierter Eigenkontrolle oder durch den zertifizierten Sachverständigen (Kontrollansvarig) geschehen. 

Bauen in Lappland - das Dach ist drauf

Startbesked – der offizielle Startschuss

Du darfst erst mit deiner Baumaßnahme beginnen, wenn du vom Bauamt einen offiziellen, schriftlichen Startbesked erhalten hast. Vorher geht gar nichts!

Im Startbesked ist der Kontrollplan fixiert, unter anderem auf Grundlage dessen, was man gemeinsam beim tekniskt samråd (technischem Rat) besprochen hat.

Der Startbesked ist ebenso lange gültig wie die Baugenehmigung selbst. Die Genehmigung verfällt, wenn du dein Bauvorhaben nicht 2 Jahre nach dem Beschluss begonnen und 5 Jahre danach nicht vollendet hast.

Du hast den Startbesked zum Bauen in Schweden erhalten? Na, dann ab mal flugs ran an die Schippe!

Baustellenbesuch seitens des Bauamts

Das Bauamt führt meist mindestens einmal einen Baustellenbesuch durch und erstellt dazu ein Protokoll.

Slutsamråd – der abschließende Rat

Wenn es einen tekniskt samråd gegeben hat, gibt es auch einen slutsamråd (Bei uns entspricht das wohl einer „Bauabnahme“). Bei diesem Treffen vor Ort wird der Neubau eingehend besichtigt und man geht Punkt für Punkt durch, ob der Kontrollplan erfüllt wurde. Mit dabei der/die Bauherren, der Kontrollansvarige und die Zuständigen des Bauamts.

Damit kommt das Bauen in Schweden dann so langsam zur Ziellinie. Puh, oder?

Bauen in Schweden: Endspurt am Lapplandhaus - Haus hat jetzt Türen und Fenster

Slutbesked – Freigabe

Das Bauamt stellt dir einen slutbesked (Freigabe) aus, wenn du nachgewiesen hast, dass du alle vorab festgelegten Anforderungen an den Bau erfüllt hast und das Bauamt auch ansonsten, dem Baurecht folgend, keinen Einspruch mehr einlegen musste. Das Bauvorhaben muss an der Stelle vollständig abgeschlossen sein. Ohne einen vorliegenden slutbesked darfst du das Gebäude nicht nutzen (also z.B. dort einziehen).

Unter Umständen kannst du auch einen slutbesked erhalten, wenn noch kleine Punkte offen sind. In dem Fall erstellt das Bauamt eine Liste über die offenen, noch zu erledigenden Punkte. Bei größeren Abweichungen kann das Bauamt einen interimistiskt slutbesked (vorübergehende Freigabe) ausstellen, eben bis diese Punkte oder eine noch ausstehende Kontrolle erledigt wurden – dann stellt das Bauamt nach erneuter Überprüfung die endgültige Freigabe aus.

Ist Bauen in Schweden komplizierter als bei uns?

Ich verstehe zwar den Sinn der ganzen Maßahmen und Punkte (na gut, nicht wirklich ALLE), aber ich habe das Prozedere schon als extrem umfangreich empfunden. Oder stelle ich mich an und es ist normalerweise, z.B. in Deutschland, noch viel krasser? Wir haben hier einfach ein fertiges Haus gekauft und dann renoviert, daher hab ich keine Ahnung. 

Grundsätzlich möchte ich noch erwähnen, dass der Kontakt mit dem Amt und allen Zuständigen sehr entspannt und freundlich ist. Natürlich hat man immer mal „eine Krähe“ dazwischen, aber so ist eben das Leben.

Falls du etwas dazu sagen kannst und möchtest: Feel free! Ich freue mich über deine Gedanken dazu in den Kommentaren.

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