# 4: Das Räkmacka-Drama

Wer an dieser Stelle das Rezept für die Räkmacka erwartet, den muss ich leider enttäuschen, denn das Rezept steht ja nun in meinem Kochbuch! Stattdessen möchte ich euch von dem Räkmacka-Drama erzählen, dass sich unter unserem Dach abspielte, damals, als das Foto zum Rezept gemacht wurde. Wenn ich darüber nachdenke, lache ich heute noch. 

Aber mal schön der Reihe nach.

Von nix 'ne Ahnung, davon aber viel!

Ich habe dem Verlag damals direkt gesagt, dass weder ich noch Harald Ahnung von der professionellen Food-Fotorgrafie haben, aber irgendwie hat man uns das dennoch zugetraut. 

Das hat mich emotional hinreichend gestärkt, ich wollte mich der traumhaften Aufgabe, dieses Kochbuch zu machen, unbedingt stellen. Außerdem bin ich die Tochter eines Werbefotografen und die Enkeltochter eines Grafikers – ergo musste ja nun zumindest minimal gestalterisches Talent und Auge vorhanden sein, wär ja wohl gelacht, wenn ich das nicht gewuppt bekomme! Pah!

Ohne Netz und doppelten Boden

Es heißt, dass manche Food-Fotografen unangenehm tief in die Trickkiste greifen, um ein Foto möglichst perfekt aussehen zu lassen. So werden beispielsweise für ein Foto von verführerisch, knusprigen Brathähnchen rohe Hähnchen zunächst für die richtige Farbe braun angespinselt und für den finalen Glanz noch mit Öl besprüht. Oder das Fake-Eis, das aus dem gleichen Frosting gemacht wird, das man sonst auf den Cupcakes findet, passend eingefärbt mit Lebensmittelfarbe – es ist also gar keine Eiscreme. 

Gleichzeitig gibt es aber auf der anderen Seite bei anderen eine Art Ehrenkodex, nach dem man alle Lebensmittel nach dem Fotoshooting noch essen können sollte. Das finde ich gut, wichtig und richtig. Und daher sind meine Fotos vielleicht nicht perfekt, aber es ist nur ehrliche und essbare Nahrung abgebildet. 

Blut, Schweiß, Tränen & Zorn

Das klingt ehrenwert und toll, aber natürlich habe ich dennoch teils Stunden mit der Ablichtung eines einzelnen Rezepts verbracht, zum Beispiel Bestandteile mit Pinzetten verschoben oder die ganze Deko drumherum geändert oder alles komplett verworfen, mein Laptop vor Wut fast in die Ecke geworfen und dann doch wieder ganz von vorne angefangen. Ich kann zumindest drei Fotos im Kochbuch benennen, die ich mehr als einmal gebacken und fotografiert habe. Ja, interessanterweise betraf das nur Kuchen und zwar:

  • Kladdkaka
  • Toscakaka
  • die Bullar mit Mandelmusfüllung

Harald, der alte Deko-Grinch, war nur eine semigute Hilfe, denn ursprünglich war intern vereinbart, dass in erster Linie er für die Fotos verantwortlich sein sollte. Als ich mitten im Manuskript steckte, fragte ich ihn irgendwann beiläufig, ob er sich denn bereits ein wenig in die Grundlagen der Food-Fotografie eingelesen und eingefuchst habe? Denn irgendwie sah ich ihn nie die Fachliteratur lesen, die ich eigens organisiert hatte, auch sah er sich keine Youtube-Tutorials an oder informierte sich anderweitig?

Die Antwort kam prompt: Das machen wir ganz einfach: Du legst den Keks da hin und dann fotografiere ich den Keks halt.“

Ich war sprachlos – und er wahrscheinlich schlicht zufrieden, dass von mir kein Widerspruch kam. So wurde das gesamte Fotokonzept, das Licht, der Aufbau, die Deko dann doch mein Problem und er, er hat den Keks dann halt fotografiert. Seufz.

Und doch bin ich im Endeffekt froh, dass wir es so gemacht haben, denn wenn ich ehrlich bin, hätte er es mir NIE recht machen können, und ich hätte ihn NIEMALS allein über die Fotos bestimmen lassen. So konnte ich schalten und walten, wie ich wollte. Dafür sind die Nicht-Rezeptfotos fast komplett von ihm und die sind ja nun wirklich bombig schön. 

Das Räkmacka-Drama

Eines schönen Tages war es Zeit für das Foto von der Räkmacka. Lange bevor das Foto gemacht werden sollte, wusste ich schon, wie es aussehen sollte. Welches Porzellan, welcher Hintergrund. Schließlich gehört dieses schwedische „Krabbensandwich“ zu meinen absoluten Favoriten, die man mir kredenzen kann. Dafür lasse ich fast alles andere stehen! Klar, dass ich da ein Bild vor Augen hatte.

Und so bereitete ich zwei wunderschöne Exemplare für das Foto vor, mit den feinsten und frischesten Zutaten, sogar die Mayonnaise habe ich mit dem Kurbelmixer persönlich aufgeschlagen (es gibt ja hier keinen Strom). Beim Aufbau gab ich mir riesig Mühe und hantierte so filigran wie möglich mit der Pinzette herum, bis ich mit dem gesamten Aufbau absolut zufrieden war.

Ja, okay, dachte ich irgendwann und der Mann durfte seines Amtes walten. Ich hatte den Hintergrund eingerichtet, die beiden Teller mit den Räkmackas platziert, also sollte er sie eben mal schnell fotografieren.

Leider ist es total untertrieben, wenn ich schreibe, dass er bloß nur noch knipsen brauchte. Es gab zig Einstellungen, wir schoben alles kleine Ewigkeiten vorsichtig auf dem Untergrund durch die Gegend, um die perfekte Position zu finden und das Tageslicht optimal zu nutzen. Alle Bilder landeten anschließend traditionell auf dem Laptop und erst, wenn ich zufrieden mit dem Ergebnis war, war Ende. Das konnte dauern!

Zwischenzeitlich entwickelten wir fies Hunger, es war spät am Nachmittag und das Frühstück war eine gefühlte Ewigkeit her. War doch klar, dass wir die beiden Krabbenbrote direkt im Anschluss verspachteln würden! Aber es zog sich zeitlich wie oller Kaugummi.

Endlich! Ich starrte glücklich auf den Bildschirm. DAS IST ES! Mein Foto! Da schau, DAS sah ich:

Räkmacka mittel(1)

Ich war total happy damit. Das war glasklar das beste Foto, das ich bis dahin aufgebaut hatte. Mit strahlenden Augen klappte ich schwungvoll das Laptop zu, schob es beiseite und stellte die Stühle zurück an den Tisch, vor jede Räkmacka einen. Endlich durften wir die Pracht genießen. Und das taten wir auch. Es schmeckte noch besser als es aussah. Einfach himmlisch. Ich war glücklich. 

Am Abend habe ich die Fotos des Tages weiter verarbeitet. Zugeschnitten, bei Bedarf angepasst und in das vom Verlag bevorzugte Format (.tif) verwandelt. Bei der Gelegenheit schaute ich natürlich ganz genau hin.

Und beim „ganz-genau-Hinschauen“ sah ich das hier (man stelle sich diese bedrohliche Geräusch vor, wenn der weiße Hai im weltberühmten Film auf sein Opfer zuschwimmt): 

[Stör dich nicht an der Bildqualität als solche, das ist groß gescrollt am Bildschirm und dann mit dem Handy abfotografiert, dann sieht das halt lausig aus.] Jedenfalls hing an dem Teller ein Zwiebelfussel! Ich bekam Gänsehaut im Nacken. Das hatte ich vorher nicht gesehen! Und jetzt hatten wir alles schon aufgegessen. 

Mir schossen die Tränen in die Augen. Die ganze Arbeit war für nichts und wieder nichts gewesen. Ich würde von vorne anfangen müssen. Würde ich das jemals wieder so schön hinbekommen? Bestimmt nicht! Und nein, das konnte ich so nicht lassen. Das halte ich nicht aus, ich kenne mich. 

Vor lauter Stress war meine Gehirnkapazität so weit ausgefallen, dass ich vergessen hatte, dass es Photoshop gibt und man Bilder heutzutage ja total manipulieren kann. Als mir das wieder einfiel, stand ich vor dem nächsten Problem: ich habe weder das Programm Photoshop, noch kann ich damit umgehen. 

Da fiel mir Chrisi ein, eine beste Freundin meiner Tochter Hanna. Denn sie, das wusste ich, kann das. Ich schrieb sie sofort an und schickte ihr die Beweisfotos. Nachdem sie lange genug darüber gelacht hatte, bat sie mich, ihr das Original zu schicken, sie würde sich sofort darum kümmern, damit ich nachts schlafen könne. Das gute Kind kennt mich seit es 2 Jahre alt ist, sie weiß genau, wie ich ticke.

Innerhalb einer halben Stunde hatte ich das Foto zurück. Die Räkmacka war erfolgreich vom Zwiebelring befreit – so wie es jetzt auch im Buch abgedruckt ist. 

Danke, Chrisi. ♥

Räkmacka fertig

Danach habe ich alle Fotos akribisch sortiert und angeschaut, bevor es das Material aufgegessen wurde. 

DAS passiert mir nie wieder. Gelernt ist gelernt. 

Adventskalender zum Buch Weihnachtszeit in Lappland

Weihnachtszeit in Lappland
Winterliche Rezepte und Bräuche aus dem hohen Norden

224 Seiten

Format: 19,9 x 2 x 26,2 cm – Hardcover
Verlag: Christian Verlag
Sprache: 
Deutsch
ISBN:
978-3959619394
Preis: 29,99 € (inkl. Mwst.)

Erhältlich über die ISBN im Buchhandel deiner Wahl, auch online.

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