Paul und seine Frau waren mit einem Camper unterwegs

Hallo Paul!

„Die Welt ist ein Dorf!“, heißt es so schön. Und ja, das unterschreibe ich sogar, denn selbst nördlich des Nirgendwos kann es vorkommen, dass diese kleine Weisheit sich bewahrheitet. So war es bei der Geschichte mit Paul – und davon möchte ich dir heute erzählen. 

Ein Campingbus mit deutschem Kennzeichen

Touristen sind gerne in Jokkmokk. Zumindest hat es den Anschein, wenn man im Herbst z.B. am Ájtte Museum (Link führt zur Webseite des Museums) vorbei fährt und außerdem habe ich im Freundes- und Bekanntenkreis mindestens 4 Deutsche, die schon dort waren. 

Exkurs: Das ist übrigens ganz witzig, denn irgendwie glaubt man ja, dass nur man selbst jemals so weit nördlich war. Und wenn du dich dann mit jemandem über DAS Restaurant, DAS Café, DAS Geschäft oder DIE Sehenswürdigkeit unterhältst und dir vorstellst, dass wir eigentlich, wenn auch zeitversetzt, vielleicht mit dem Hintern sogar auf dem gleichen Stuhl oder Stein gesessen haben – na, das ist schon merkwürdig!

Jedenfalls tummeln sich in der Innenstadt (so relativ!) diverse Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen, auf dem Museumsparkplatz ist das Aufkommen dann noch konzentrierter – und besonders häufig, so erscheint es uns, sieht man neben den Schweizern eben die Deutschen. 

Es ist davon auszugehen, dass diese Touristen eher ruhige Naturliebhaber sind, denn wenn du Party willst und Nightlife, dann bist du dort ziemlich an der falschen Adresse. 

Das Ájtte-Museum

Das ist übrigens direkt ein Ausflugstipp, falls du in der Gegend bist. In diesem Museum dreht sich alles um die samische Kultur und die Ausstellung ist wirklich gut gemacht!

Im Außengelände ist ein kleiner fjällbotanischer Garten mit diversen (früher) landestypischen Wohngebäuden („Häuser“ ist irgendwie nicht ganz die richtige Bezeichnung dafür), den man sich in der Sommersaison gerne ansehen sollte.

Im Gebäude gibt es zudem einen netten Shop, in dem man schwedische Nettigkeiten käuflich erwerben kann, und ein Lunch-Restaurant, in dem man lecker, bevorzugt samische Küche genießen kann.

Aber irgendwann möchten wir über das Ájtte noch ausführlicher schreiben, das ist es absolut wert! 

Hinter den Bergen bei den sieben Zwergen

Dass sich deutsche und auch Touristen aus anderen Ländern in Jokkmokk aufhalten, das ist für uns nicht weiter verwunderlich, denn schließlich handelt es sich um eine der größeren Städte (so relativ, wir erinnern uns) in Norrbotten. Je weiter du dich jedoch von dort entfernst, immer tiefer in die mehr oder minder Offroad-Gebiete abtauchst über verschlungene und gerade Schotterpisten, desto unwahrscheinlicher wird es logischerweise, welche anzutreffen.

Wir waren schon den ganzen Tag unterwegs, kamen von Deutschland mit dem Flieger via Stockholm nach Luleå und setzten unsere Reise von dort aus mit dem Leihwagen fort –  zum Ferienhaus von Maggi und Bengt. Das letzte Stück der Etappe ist einerseits besonders schön, andererseits aber eine kleine Herausforderung, weil die Straße zu größten Teilen eben nur noch eine Schotterpiste ist. Und dann brauchst du für die fast 70 km von Jokkmokk dorthin fast ebenso lange, wie vom Flughafen nach Jokkmokk!

Ziemlich müde, aber randvoll gefüllt mit Vorfreude bogen wir auf die Zufahrt des Grundstücks ein und waren doch sehr überrascht, als wir dort einen umgebauten Campingbus mit deutschem Kennzeichen neben dem Haus stehen sahen. Hatten Maggi und Bengt etwa Besuch? Komisch, denn davon hatten sie nichts gesagt. 

Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um Urlauber aus Deutschland handelte, die ein paar Tage mit dem Kanu auf dem Kartj-See verbringen wollten. Mit Übernachtung im Zelt am Ufer, immer genau da, wo es ihnen richtig gut gefiel und zelten eben möglich ist. Man hatte darum gebeten, den Bus auf dem Grundstück parken zu dürfen, sicher ist sicher. Unbeobachtet wollten sie ihr Hab und Gut nicht mehrere Tage am Wegesrand zurücklassen.

Foto vom Karatj-See am Abend

Sicher oder nicht?

Wobei das direkt einmal eine interessante Frage ist, ob die Wertsachen im Nirgendwo wirklich in Gefahr wären. Nicht selten sehen wir auf den Parkplätzen auf dem Weg dorthin Autos von z.B. Jägern stehen, wo sie schlicht die Schlüssel auf die Reifen gelegt haben… Versteckt möchte ich diese Option nun nicht gerade nennen. Daher gehe ich davon aus, dass sich die Einheimischen ziemlich sicher in ihrer Sache sind. 

Aber diese Frage werde ich bei nächstbietender Gelegenheit mal ein paar Einheimische fragen. Interessiert mich nun doch gerade!

Paul kommt!

Ich geb zu, dass Harald und ich dann doch ein wenig neugierig auf diese Touristen aus Deutschland waren, die solch einen spannenden Urlaub machten, die sogar so weit draußen unterwegs waren. Daher behielten wir das Fahrzeug natürlich ein wenig im Auge und hofften immer, dass es noch da sei, wenn wir von unseren Tagestouren zurück kamen.

Und wir hatten Glück. Eines schönen Nachmittags kam ein Mann auf das Grundstück. Er stellte sich als „Paul“ vor und wir unterhielten uns eine Weile. So erfuhren wir ein wenig von der Reise der beiden und auch, dass er eigentlich gar nicht aus Deutschland, sondern einem direkt angrenzendem Nachbarland stammte. Paul und seine Frau waren als reisende Rentner übrigens noch ein dezentes Eckchen älter als wir, umso bemerkenswerter fanden wir, dass sie so ungewöhnlich mit Camper, Zelt und Kanu urlaubten. Das ist ja wohl klasse!

Irgendwann verschwand der Bus den holperigen Weg entlang, mit Paul. Das war wirklich eine nette Begegnung.

An einem Tag im Muddus

Gut eine Woche später waren Harald und ich mit Maggi auf einem Tagesausflug im Muddus-Nationalpark unterwegs, der gut 130 km von unserem Ferienhaus entfernt liegt. Und auch dafür musst du erst einmal wieder zurück nach Jokkmokk über die Schotterpiste.

Es war ein wunderschöner, sonniger Herbsttag im Muddus, den wir sehr genossen haben, mit Kaffee und Essen am Lagerfeuer bei großartiger Aussicht. 

Irgendwann wurde es Zeit für den Rückweg, da wir gerne am Parkplatz sein wollten, bevor es dunkel werden würde. Auf dem Weg dorthin begegneten uns jedoch hier und da Wanderer mit echt großen Rucksäcken in entgegengesetzte Richtung. Also vom Parkplatz weg in die Natur, nicht raus. Das waren diejenigen, die die Nacht dort draußen in der Natur, in der Nähe des Wasserfalls verbringen wollten, denn da gibt es extra Plätze mit Feuerstellen, wo man zelten kann. Auch eine Schutzhütte ist da, falls das Wetter mal umschlägt und so gar nicht hält, was es vielleicht vorab versprochen hatte. 

Steht da auch Paul drauf?
Auf der Tischplatte am Rastplatz am Wasserfall haben sich zahlreiche Wanderer verewigt

Übrigens: Nicht mit Mutti!

Für mich ist eine solche Übernachtung draußen derzeit noch fast undenkbar, habe ich nie gemacht, wobei Harald das des Öfteren angeregt hat und bereits Ausschau nach passendem Equipment hält.  Zum Glück weiß ich, dass er sich stets ungewöhnlich umfassend informiert, was Zeit schindet, und definitiv bei Anschaffungen nicht zu Schnellschüssen neigt. 

Man sieht sich immer zweimal im Leben

Über Stock, Wurzel, Stein und Planken ging es für uns also zurück zum Auto. Ich geb da stets gut Acht, dass ich nicht falle, ich neige zum Schlurfen und das ist in der Situation definitiv ungünstig.

Ich hob den Kopf, als ich merkte, dass mir Wanderer entgegen kamen und sah: Paul & seine Frau. Was? Ich musste zweimal hinsehen, konnte es erst gar nicht glauben, dass wir uns so weit entfernt vom ersten Treffpunkt zufällig mitten im Wald wiedersahen. Alle anderen Anwesenden übrigens auch nicht. Das war ein Hallo!

Wir tauschten einige Sätze aus und sie waren tatsächlich auf dem Weg, um im Nationalpark zu übernachten! What?

Vielleicht doch?

Vielleicht sollte ich doch einmal in der Natur übernachten, die Geschichte von Paul und seiner Frau finde ich dann schon sehr motivierend und ermutigend. Vielleicht werde ich gar nicht sofort vom Bären gefressen, vom Elche zertrampelt oder vom Blitz des Nächtens auf dem Plumpsklo vor Ort abgeschossen?

Fest steht: Es kann sehr gut sein, im Leben hier und da mal auf einen Paul zu stoßen. Egal wo!

Falls du das liest...

Da ich durch solche Erlebnisse zur Überzeugung komme, dass fast ALLES im Leben möglich ist, beschließe ich den heutigen Text mit persönlichen Grüßen:

Hallo Paul, doe de groeten aan je vrouw en aan jou! Misschien komen we elkaar nog eens ergens in het leven tegen.*

 

(*Pfoah, hoffentlich ist das richtig!)

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