Rentiere unterwegs

Wie die Rentiere wild wurden

Schon von klein auf liebe ich Märchen aller Art. Vielleicht nicht alle, aber doch sehr viele. Daher kam ich auf die Idee nach samischen Märchen (die Samis sind das Urvolk Lapplands – die letzten Indigenen dort) zu suchen und wurde fündig. Daher hier nun eins frisch übersetzt mit der Erklärung, wie es kam, dass die Rentiere wild wurden.

Dazu passend zwei wunderschöne Fotos von Rentieren, die Harald aufgenommen hat.

Samische Märchen: Wie die Rentiere wild wurden

Es waren einmal zwei Schwestern – die eine hieß Háhcešeatni und die andere Njávešeatni. Sie lebten auf einem Fjäll, jede in einer eigenen Hütte aus Torf (Schwedisch: torvkåta). Beide besaßen eine eigene Rentierkuh (Schwedisch: vaja), die sie molken, um sich mit Milch zu versorgen, denn davon lebten sie.

Diese Rentiere waren so zahm, dass die beiden Schwestern sie nicht zu bewachen brauchten. Ganz von selbst kamen die Rentiere jeden Morgen und jeden Abend zur Melkzeit zurück zu den Hütten.

Rentiere - Rentier im Lauf

Háhcešeatni pflegte jedoch beim Melken ihre Vaja zu schlagen und sogar ihren Euter zu zerkratzen, so dass ihre Vaja unter Wunden litt.

Einmal, als die beiden Rentiere im Wald waren, begannen sie miteinander zu reden. Háhcešeatni’s Vaja sprach: „Ich möchte meiner Herrin weglaufen.“

„Aber warum möchtest du weglaufen?“, fragte Njávešeatnis Vaja.

Darauf entgegnete Háhcešeatnis Vaja: „Ich will weglaufen, weil meine Herrin so bösartig zu mir ist, sie schlägt mich mit ihren Fäusten, tritt mich und zerkratzt mir den Euter.“

Njávešeatnis Vaja erzählte: „Ich werde nicht weglaufen, weil meine Herrin gut zu mir ist. Sie streichelt mich immer, wenn sie mich melkt. Würde ich sie verlassen, würde sie verhungern.“

„Ich muss jetzt gehen, denn bei meiner Herrin ist mein Leben zu hart,“ sprach Háhcešeatnis Vaja, drehte sich um und ging davon. Sie kam nie wieder zurück.

Njávešeatnis Vaja blieb als zahmes Rentier bei ihrer Herrin, versorgte sie dankbar mit ihrer Milch. Die andere Vaja jedoch suchte die Freiheit und wurde ein wildes Rentier – ihre bösartige Herrin Háhcešeatnis starb den Hungertod.

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