Nordlichter über dem Karatj-See

Harald & die Nordlichter

Na komm, wenn du die Begriffe Lappland oder Polarkreis hörst, dann denkst du bestimmt auch direkt an Nordlichter, oder? Uns ging es da nicht anders! Als es dann 2014 an den ersten Urlaub in  Jokkmokk ging, hat Harald sich als leidenschaftlicher Hobby-Fotograf (vor allem schöner Landschaften) gezielt darauf vorbereitet. Stundenlang hat er das Internet befragt und Zeitschriften gewälzt, auf der Jagd nach DER Einstellung für die Kamera, Blende, Belichtungszeiten und lalalala… 

Persönlicher Exkurs zum Stichwort "lalalala"

Diesbezüglich ist das Leben mit einem Perfektionisten wie Harald nicht einfach, vor allem dann nicht, wenn er ständig und immer erzählt, was er Neues herausgefunden hat. Ich geb unumwunden zu, dass ich dagegen eine Spezial-Technik anwende: „Ein-Ohr-rein-ein-Ohr-raus“. Allerdings darf man keinesfalls vergessen, beim Nichtzuhören halbwegs an den richtigen Stellen zu nicken und immer wieder einmal ein „Ja?“ oder „Och, interessant!“ einzuwerfen. 

Leider gelingt mir das nicht immer überzeugend, weil ich vielleicht gerade schlicht mit interessanteren Dingen beschäftigt bin. Merkt er das, folgt die peinliche Befragung, die prin-zi-pi-ell mit der Frage „Hörst du mir eigentlich überhaupt zu?“ eingeleitet wird. Anschließend prasseln diverse Fangfragen seinerseits auf mich ein – und ich versage. ZACK haben wir ein wenig Rambazamba in der Bude…

Ach ja, kommen wir lieber zurück zu den Nordlichtern.

Nordlicht in Schwedisch Lapplan

Nordlichter - kleiner Infoteil

Nordlichter kennt man auch unter den Namen Polarlicht und Aurora borealis. Wobei die übrigens nur auf der NORDhalbkugel Aurora borealis heißen, auf der SÜDhalbkugel handelt es sich stattdessen um Aurora australis! Konsequenterweise heißen die Dinger dann da auch Südlichter, nicht Nordlichter. 

Und so entstehen sie

Weißt du, ich stehe mit der Physik von jeher ein wenig auf Kriegsfuß, gehörte in der Schule schon eher zu denen, die in „Laberfächern“ eher zuhause waren. Darum überlasse ich es anderen, dir zu erklären, wie es zu den Nordlichtern kommt:

Wenn du es umfangreicher und genauer möchtest, findest du mit Google zahlreiche Quellen. Nur Mut! Mir reicht das, was Geolino schreibt. Da finde ich die Mythen um die Nordlichter viel spannender…

Mythen rund um die Nordlichter

  • Das finnische Wort für Nordlicht ist „revontulet“, was übersetzt so viel wie „Fuchsfeuer“ bedeutet. Dieser Begriff leitet sich von einer alten finnischen Sage ab, wonach ein magischer Fuchs mit dem Schwanz die Schneeflocken wie Funken in den Himmel peitschte. 

  • Teile der Sámi-Bevölkerung in Nord-Skandinavien glaubten, dass es sich bei den Nordlichtern um die Energie verstorbener Vorfahren handele. Wenn die Lichter auftauchten, galt es, sich so ehrfürchtig wie möglich zu verhalten. Zollte man nicht ausreichend Respekt, drohte Krankheit, aber auch Tod als „Strafe“ für Leichtsinnige und Hochmütige.

  • Einige Inuit-Kulturen glaubten, dass es sich bei den Nordlichtern um die Verstorbenen handelte, die mit den Schädeln von Walrossen Ball spielten. Deutlich gruseliger da der Ansatz, dass man auf der Insel Nunivak in Alaska glaubte, es handele sich um die Geister von Walrossen, die Ball mit einem Jägerschädel spielten. 

Unsere erste Nacht der Nordlichter

Da sich die Erscheinung in gut 100 km Höhe abspielt, braucht es einen klaren Himmel. Und prinzipiell muss sich das Phänomen erst einmal überhaupt gerade abspielen – es handelt sich ja um einen Sonnenwind, der auf das Magnetfeld der Erde trifft. Dunkel muss es natürlich auch noch sein. Dann sollte es auch noch jahreszeitlich in der Nordlicht-Saison liegen. Sonst siehst du eben keine. Und so verbrachten wir einige Abende im Wohnzimmer, Stativ und Kamera bereits vorbereitet, starrten in den Himmel und warteten, warteten, warteten… 

Und was? Genau: Nix. 

Ich geb zu, dass ich irgendwann die Hoffnung innerlich aufgegeben habe, aber Haralds Optimismus war ungebremst. 

Und sie kamen doch

Dann eines nachts, ich war gerade so hübsch auf dem Sofa eingedöst, schrie Harald mich plötzlich aus meinem Schläfchen: „Da sind sie. Da sind Nordlichter!“ Wie von der Tarantel gestochen schnappte er sich sein Equipment, sprang mit einem Satz in seine Gummistiefel und rannte hinaus in die eiskalte Nacht. Hektisch installierte er seine Ausrüstung und begann zu fotografieren. Junge, da war reichlich Adrenalin im Mann unterwegs!  

Erst wollte ich ja gar nicht mit raus (ist ja kalt da!), aber seine Euphorie war derartig ansteckend, dass sie mich mitriss. So schlüpfte ich in meine Jacke und folgte ihm nach draußen. 

Wir starrten in den Himmel bis der Nacken schmerzte, wagten während der Belichtungszeit kaum zu atmen, damit nichts verwackelt und freuten uns über die allerersten Nordlichtfotos. 

Unsere ersten Nordlichter

Ich sah meinen Mann an, dessen Augen wie wilde Funken funkelten, selten hab ich ihn so glücklich und begeistert gesehen! Mir wurde ganz warm ums Herz. Dann wanderten meine Augen an der Silhouette des Gatten herab und registrierten:

Er stand da in Boxershorts und T-Shirt!

Mit nackigen Beinchen in den Gummistiefeln!

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt! 

Ich sag ja, dass er anders ist als andere… 😉 Und doch war das genau so ein Moment, in dem ich mal wieder richtig Schmetterlinge im Bauch hatte.

Mittlerweile Tradition

Natürlich lauern wir jedes Jahr wieder auf Nordlichter und meistens haben wir Glück, aber eben nicht immer. Einmal waren die Nordlichter so intensiv, dass wir richtig ergriffen waren, da sie in Wellen und bunten Farben über uns herumwaberten. 

„Ich glaub, jetzt holen sie mich ab!“ – flüsterte Harald leise. Und ich konnte die Ehrfurcht nachvollziehen, die die Sámi für ihre Nordlichter empfunden haben. Es war magisch.

In der Nacht entstand zum Beispiel dieses Foto. Ein Nordlicht über der Stuga, dem Ferienhaus. Und wenn du ganz genau hinschaust, siehst du mich in einer roten Jacke mit Maggi auf der Terrasse sitzen. 

Nordlichter über der Stuga

4 Antworten

  1. Oh ich kann deinen Mann gut verstehen, ich würde da auch im Schlafhemdchen stehen mit meiner Kamera und meinen Mann wild schreiend aus dem Bett holen. Wir haben während unserer Reise eine Art Nordsucht entwickelt. Eigentlich wollten wir nur einige Kilometer über Deglunden landen, 10 Tage Kastenwagen dann 10 Tage Ferienhaus am Deglunden und 5 Tage langsam zurück. Jedoch kamen wir gut voran und dann interessierte uns der Fulufjället-Nationalpark und wo wir schon dort waren könnten wir ja auch den Tännforsen besuchen, wie weit ist denn jetzt noch Lappland? Lappland das Land meiner Kindheitsträume, wo ich auf jeden Fall mit einem Rentier der Kälte getrotzt hätte um Kai vor der Schneekönigin zu retten. Ein Foto, bitte, bitte, wo ich vor dem Schild stehe „Lappland“. So landeten wir im Stekenjokk. Sternenklar zwischen den Rentieren, traumhafte Nacht. Wenn jetzt noch ein Nordlicht zu sehen wäre. Und schon kamen auf Facebook die ersten Nordlichtmeldungen aus Jokkmokk. Hm…….nun haben wir es bis hier geschafft……auf nach Jokkmokk. Leider keine Nordlichter, aber bissl tiefer rein, noch bissl nördlicher zog es uns. Kvikkjokk war dann unser höchster Punkt und dann hatten wir es 1200 km zurück bis zum Ferienhaus. Insgesamt sind wir 8000 km gefahren. Und mit jedem Kilometer verlor ich mein Herz, du weisst schon, wenn etwas leise pocht….. 🙂 Wir sind am überlegen wie es weiter geht, wenn es nach mir ginge, bräuchte ich gar nicht überlegen. Ich hätte heute hier die Hühner gefüttert und wäre morgen wieder in Lappland 🙂 Viele Grüße! Conny

    1. Hej Conny,

      oh ja, ich weiß genau, was du mit dem pochenden Herzchen meinst – find es gerade total schön, dass du da ähnlich tickst wie ich. Schaue gleich mal bei dir bei Instagram vorbei. Ach so, entschuldige bitte, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich hatte da oben einen mehr oder weniger unfreiwilligen digitalen Detox gerade bzw. haben meine Technikpläne sich als ungeeignet erwiesen! Jetzt bin ich zurück und kann wieder schreiben.

      Ganz liebe Grüße,
      Annika

      P.S.: Stekenjokk würd ich auch total gerne mal sehen. Kenne es nur von Fotos und das sah echt gut aus!

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